Märkische Allgemeine Zeitung, 28.07.2010

Jugendherberge Milow und Naturhafen kooperieren / Haveltour soll Gemeinschaftsgefühl stärken

MILOW - Gestern Vormittag gegen 10.30 Uhr konnte man am Bootshaus die ersten Ansätze von dem erkennen, was Erlebnispädagogen gerne „Teambuilding“ nennen: Gerade ist eine gut 20-köpfige Gruppe aus der Jugendherberge mit dem Drachenboot in See gestochen. Auf der Havel wollen sie das lange Kanu in ein paar Stunden bis zum Naturhafen nach Kützkow steuern.

Aber die ersten Meter gestalten sich schwieriger als gedacht: Die Trommlerin im Bug gibt einen höllischen Takt vor. Zu schnell, als dass die Paddler ihn umsetzen könnten. Dem Steuermann im Heck mangelt es auch an Erfahrung. Ein paar Mal drückt er das Paddel in die falsche Richtung und das Boot mit dem roten Drachenkopf steuert senkrecht auf das Ufer zu. Die Jugendlichen in den Reihen dazwischen müssen auch den richtigen Rhythmus erst noch finden. Immer wieder krachen irgendwo zwei Paddel aneinander. Oder es beschwert sich jemand über seinen Vordermann, der das mit dem richtigen Tempo einfach nicht hinkriegen will.

Phase eins des Teambuildings: Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Es läuft überhaupt nicht rund.

Das muss so sein.

Wenn die Jugendlichen Kützkow noch bei Tageslicht erreichen wollen, müssen sie sich zusammenraufen und stärker aufeinander achten. In Ansätzen ist das schon auf den ersten mühsamen Metern zu erkennen. Der erste Paddler – einer der Betreuen – steht im regen Zwiegespräch mit der Trommlerin. Langsamer soll sie schlagen und gleichmäßig. Auch auf die anderen in den schmalen Bänken versucht er einzuwirken: „Orientiert euch an euern Vorderleuten und dann alle – zugleich.“ Auf den kommenden 16 Kilometern werden sie es irgendwie hinkriegen, zu einer leidlich funktionierenden Einheit zusammenzuwachsen.

„Darum geht es“, sagt Ines Zygowski, die sich das Spektakel zusammen mit anderen Schaulustigen angesehen hat. Die Erzieherin ist im Nebenberuf als Erlebnispädagogin tätig und arbeitet dabei eng mit der Leiterin der Milower Jugendherberge, Manuela Krüger, zusammen. Unter anderem bietet sie für die Jugendherberge Floßbaukurse und GPS-Rallyes an. In den kommenden Wochen wird sie sich noch ein Begleitprogramm für die Drachenbootfahrten überlegen.

Der Dritte im Bunde ist Jan Lange vom Naturhafen Kützkow. In dieser Saison haben schon 30 bis 40 Gruppen aus der Jugendherberge Haveltouren mit seinen Kanus gebucht. Jetzt überführen die Jugendlichen das Boot für ihn von Milow nach Kützkow. „Solche Erlebnisangebote sind ganz stark gefragt“, sagt Manuela Krüger. Ab dem kommenden Jahr, wenn ein paar nötige Schönheitsreparaturen abgeschlossen sind, kann die Drachenboottour dann regelmäßig gebucht werden.

Gegen 16 Uhr ist die „Fuchur“ schließlich sicher und wohlbehalten in Kützkow eingelaufen.

Dem Vernehmen nach hat allen Beteiligten die Tour Spaß gemacht. Und ins Wasser gefallen ist auch keiner von ihnen. Auch mit dem Steuern soll es nach wenigen Minuten schon richtig gut geklappt haben – beteuert zumindest der Steuermann. (Von Ralf Stork)

Märkische Allgemeine Zeitung vom 14.06.2010

DORFENTWICKLUNG: Wie es sich auf dem Land lebt

Studenten stellten Ergebnisse und Vorschläge ihrer Arbeit in Milower Land vor

MILOW - Sie sprachen mit Einwohnern auf der Dorfstraße, klopften an Haustüren und wurden eingelassen. Und sie waren in Jugendclubs, in denen sie stets aufgeschlossene Diskussionspartner gefunden haben. Vom 7. bis 9. Mai waren in vier Arbeitsgruppen 16 Soziologiestudenten der Fachhochschule Potsdam in allen Ortsteilen der Gemeinde Milower Land unterwegs.

Bei ihren Streifzügen durch die Orte wollten sie herausfinden, ob sich Einwohner aller Generationen in ihrer ländlichen Umgebung wohlfühlen, woran es mangelt und ob die Dörfer Zukunftschancen haben. Ihre Umfrageergebnisse, erste Dorfanalysen und Sozialforschungen präsentierten die Studierenden auf einer öffentlichen Veranstaltung am Samstagnachmittag in der Jugendherberge „Carl Bolle“ in Milow.

Beeindruckt waren die Studierenden von der offenen Atmosphäre und der Diskussionsfreudigkeit ihrer Gesprächspartner. Bei allen Problemen und Defiziten leben die Menschen gern in ihren Dörfern, stellten sie als generelles Fazit ihrer Umfragen heraus.

Dennoch gab es durchaus Unterschiede. Von einem ausgeprägten „Wir-Gefühl“ waren die Studierenden besonders in Schmetzdorf imponiert. In einigen Dörfern würden die Einwohner mehr aus ihren Häusern kommen und das Miteinander pflegen als in anderen. Als Beispiele wurden unter anderem Möthlitz, Bahnitz und Zollchow genannt. In Nitzahn sei es dagegen auf der Dorfstraße eher ruhiger gewesen, sagte Tommy Gerke, der in einer Arbeitsgruppe in dem Dorf unterwegs war. Dabei haben die jungen Menschen aber auch festgestellt, dass alte Landwirtschaftsbauten durchaus Charme haben. Zumindest für Außenstehende, setzte er vorsichtshalber hinzu. Wie die Studierenden auch zu der Feststellung gekommen sind, dass die Einwohner von Milower Land am liebsten in den Dörfern leben, in denen es gelingt, alte Baukultur mit neuen Wohnmöglichkeiten zu verbinden.

Bis auf Milow und Großwudicke fehle es fast in allen Dörfern an notwendiger Infrastruktur, haben die Studierenden festgestellt. Der typische Dorfladen ist bis auf eine Ausnahme gänzlich verschwunden. Vor allem an den Wochenenden würde es an ausreichenden öffentlichen Verkehrsanbindungen fehlen.

Besonders von jüngeren Einwohnern sei ein fehlendes Freizeitangebot bemängelt worden, zog sich durch die Einschätzung aller vier Arbeitsgruppen.

Mit ihren Einschätzungen und Vorstellungen kamen die Studierenden an bei ihren Zuhörern. Peter Wittstock, Bürgermeister der Großgemeinde Milower Land, kündigte eine weiterführende Zusammenarbeit mit den Studierenden an.

Der Sozialausschuss der Gemeindevertretung sollte sich intensiv mit der Gesamtanalyse beschäftigen, so Gemeindevertreter Holger Schiebold. Gemeinsame weitere Arbeit ja, aber unter engerer Zusammenarbeit mit ihm und seinen Amtskollegen in den Dörfern, meinte Milows Ortsvorsteher Winfried Ganzer. (Von Norbert Stein)

 

03.05.2010
Steffen Reiche, Vorsitzender des Jugendherbergsverbandes Berlin-Brandenburg (li.), durchschneidet mit Kulturstaatssekretär Martin Gorholt und Einrichtungsleiterin Manuela Krüger das Band. Damit ist die Jugendherberge Carl Bolle in Milow nach umfangreicher Sanierung wiedereröffnet.

Milower sind stolz wie Bolle

Milow (rez) – Die Milower Villa des Berliner Milchkaufmanns Carl Bolle ist gerettet. Sie ist nach umfangreicher Sanierung am Sonntag wiedereröffnet worden. Sie wird weiter als Jugendherberge genutzt.

Stolz wie Bolle sind die Milower nicht nur auf den in ihrem Ort geborenen Milchkaufmann, der im 19. Jahrhundert Unternehmergeschichte im aufblühenden Berlin schrieb. Mit einer Villa, die Carl Bolle (1832-<wbr></wbr>1910) erst seiner Frau baute, später aber seinen Angestellten als Ferienobjekt zur Nutzung überließ, verfügt das westhavelländische Milow über ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. In ihr befindet sich heute eine Jugendherberge, die die einzige im Umkreis von etwa 70 Kilometern ist. Zudem riecht es in ihr nach frischer Farbe.

Für 1,3 Millionen Euro ist sie in den vergangenen Monaten saniert worden. Entstanden ist ein Juwel unter den rund 400 Jugendherbergen Deutschlands. Am Sonntag wurde die Bolle-<wbr></wbr>Villa eingeweiht. 2008 drohte ihr noch die Schließung. Das Deutsche Jugendherbergswerk wollte sich vom defizitären Objekt trennen.

Kaum wiedereröffnet, ist die Villa ab 5. Mai das erste Mal ausgebucht. Sie befindet sich unmittelbar am Ufer der Stremme, einem Nebenarm der Havel, und in der Nähe des Havel-<wbr></wbr>Radwegs. Mehr Informationen auf http://www.jh-<wbr></wbr>milow.de.

Märkische Allgemeime Zeitung, 12.12.2009

INVESTITION: In die Pflicht genommen

Landespolitiker sollen zum Erfolg der Bolle-Jugendherberge in Milow mit beitragen

MILOW - Gute Kontakte können wirklich nützlich sein: Steffen Reiche, Chef des Jugendherbergswerkes Brandenburg hatte für die Carl-Bolle-Villa in Milow getrommelt, und viele waren gekommen. Bei der Besichtigung der Baustelle waren unter anderem die Staatssekretäre für Kultur, Infrastruktur und Bildung gekommen, verschiedene Landtagsabgeordnete, Vertreter des Landkreises und Rathenows sowie verschiedene Lokalpolitiker aus Milow. Anders als bei manch anderen Politikerbesuchen ging es in Milow nicht nur ums Schauen und Häppchen-Essen, sondern es wurde richtig gearbeitet:

Im Mai 2010 wird die Milower Jugendherberge nach aufwendiger Renovierung wieder eröffnet. Das Haus ist mit 82 Betten relativ klein und Milow liegt ziemlich weit ab vom Schuss. Um trotzdem die angestrebten 10 500 Übernachtungsgäste erreichen zu können, braucht es also ein stimmiges Marketingkonzept und jede Menge Unterstützung.

„Das Haus und die neu entstandenen Räume sind wirklich sehr beeindruckend“, sagte Bildungsstaatssekretär Burkhard Jungkamp. Wenn die neue, alte Jugendherberge ein Erfolg werden solle, müsse viel Werbung an den Schulen dafür gemacht werden. Jungkamp versprach im kommenden Frühjahr eine Schulleiterfortbildung in der Bolle-Villa durchzuführen. Da könnten die Schulleiter gleich sehen, wie lohnenswert eine Fahrt nach Milow sein kann.

Diskutiert wurde auch über die Frage, wie man die sportliche Attraktivität des Hauses noch verbessern könne. „Als richtige Sportanlage ist der Platz gänzlich ungeeignet“, fällte der Vorsitzende des Landessportbundes, Andreas Gerlach ein vernichtendes Urteil nach Besichtigung des verwilderten Fußballplatzes. Als Bolzplatz solle die Fläche aber unbedingt erhalten bleiben, empfahl Gerlach. Es biete sich auch an, den Bau einer kurzen Skaterrundbahn zu erwägen. Das würde die Attraktivität des Standortes erheblich steigern, so Gerlach.

Alle Beteiligten waren sich einig, das auch die Havelnähe und dem (etwas heruntergekommene Wasserwanderrastplatz) die Jugendherberge erheblich aufwerten könnte. Vor allem aber müsse das gesamte Umfeld der Herberge attraktiver gestaltet und andere touristische Anbieter mit ins Boot geholt werden, so der allgemeine Tenor.

„Einig Pläne zur Kooperation gibt es bereits“, sagte dazu Herbergsleiterin Manuela Krüger. Denkbar für die Besucher wären etwa Schnuppertage/-kurse an der Musikschule, das Arbeiten im nahe gelegenen Tonstudio oder Vogelvorführungen eines Falkners aus Rathenow. Auch eine Erlebnispädagogin habe bereits verschiedene Angebote vorgeschlagen. Unter anderem wolle sie eine GPS-Rallye durchführen oder einen Niedrigseilgarten auf dem Herbergsgelände aufbauen. Angelika Krüger betonte, dass die Zusammenarbeit in vielen Bereichen noch ausbaufähig sei.

Am Ende der Aussprache warb Steffen Reiche noch einmal eindringlich für die Milower Jugendherberge: „Wir bitten um die weitere Unterstützung des Projekts. Mit Ihrer Anwesenheit heute haben Sie ja schon einmal gezeigt, dass Ihnen die Jugendherberge am Herzen liegt.“

Die Jugendherberge sucht weitere Kooperationspartner. Wer Interesse hat oder Ideen, kann Manuela Krüger unter 03386/ 28 03 61 erreichen. (Von Ralf Stork)

Märkische Allgemeine Zeitung, 11.04.2009

TOURISMUS: Die Metamorphose der Bolle-Villa

Die Jugendherberge in Milow wird umgebaut und saniert / Zeitplan wurde bisher eingehalten

MILOW - Überall Staub und Schutt und Schutt und Dreck. Der Jugendherberge „Carl Bolle“ sieht man derzeit sehr genau an, was sie ist – eine Großbaustelle. Ende November war mit den umfangreichen Sanierungsarbeiten begonnen worden. Sie waren nötig geworden, um die Jugendherberge auf den modernsten Stand zu bringen und so ihre Existenz zu sichern.

Im Frühjahr 2010 soll die ehemalige Villa des Milchunternehmers Carl Bolle dann wieder eröffnet werden.

„Bis jetzt haben wir die Räume von allem überflüssigen Gerümpel befreit“, sagt der verantwortliche Architekt Ralph Heusner. Durch die Sanierung soll das Haus nicht nur modernisiert werden, sondern weitgehend auch seine ursprüngliche Form zurückbekommen.

In Ansätzen ist das bereits jetzt gut zu erkennen: Auf der Rückseite der Villa wurde bereits ein Anbau abgerissen. Der ehemalige Wintergarten (der seine großzügige Glasfassade zurückerhalten soll) ist so klarer zu sehen, ebenso wie die strenge Symmetrie der Villa. Wo möglich wurden auch die alten DDR-Fenster entsorgt und gegen neue ausgetauscht. In Farbton und Aufteilung passen die jetzt deutlich besser zu dem historischen Gebäude.

Auch das Innere der Villa zeigt sich schon stark verändert: Böden, Tapeten, Zwischendecken, nachträglich eingezogene Wände – alles, was nicht dem Originalzustand entspricht, wurde herausgerissen. „Nur die nackten Wände stehen noch“, sagt Heusner, der sich über die Rückverwandlung des Hauses freut. Die Herbergszimmer, in denen später einmal zusammen 80 Personen übernachten können, entsprechen genau der ursprünglichen Zimmeraufteilung.

Vor dem Umbau waren Gemeinschaftsduschen im Keller und in der ersten Etage untergebracht. Nach der Sanierung wird jeder Raum über ein eigenes Badezimmer verfügen. Größere Verzögerungen oder böse Überraschungen gab es bislang noch nicht: „Im Dachstuhl mussten wir ein paar marode Holzteile austauschen, aber damit war zu rechnen“, sagt Heusner. Ansonsten liefen die Arbeiten bisher genau nach Zeitplan.

In der Woche nach Ostern soll mit dem Einziehen noch fehlender Innenwände begonnen werden. Eine Woche später werden dann die ersten Rohre für die Sanitäranlagen verlegt. In zwei bis drei Monaten soll man dann bereits die fertigen Zimmer erkennen können – im Rohbau versteht sich. Der Architekt ist überzeugt davon, dass die Jugendherberge nach dem Umbau ein echtes Schmuckstück sein wird: „Durch die Beseitigung der nachträglich angebauten Elemente kann man dann erst wieder richtig sehen, um was für eine tolle Anlage es sich hier eigentlich handelt“. Ein winziger Wermutstropfen bleibt für ihn allenfalls, dass er sich nicht auch Garten und Grundstück der Villa annehmen kann, die nicht Teil des Bauprojektes sind: „Der Architekt von damals hat sich richtig was bei der Anlage gedacht. Da gibt es Sichtachsen und Elemente der Landschaftsarchitektur, das ist wirklich toll.“ (Von Ralf Stork)

Jugendherberge Milow